Anekdoten

Im Standort Schwarzenbek des GSK Küste hielt sich über Jahre nachfolgend zugetragene Geschichte:

Ein dortiger Hundertschaftsführer hatte von seiner Mannschaft den Spitznamen "ELISE" verpasst bekommen. Ursprung war die Zeichentrickfigur des blauen Ameisenbärs Elise.

Der Grund - so erzählt man sich - war seine große Nase. Wenngleich, so groß wie beim Ameisenbär war sie nicht. Aber doch eine entsprechende überdimensionale und kantige Auffälligkeit hatte sie schon!

Graues Haar, reifes Alter, etwas dicklich und allgemein kantig, eine herzensgute Seele - manchmal allerdings etwas verwirrt.

Und dieser Verwirrung mag zugeschrieben sein, dass im Rahmen einer Hundertschaftsübung sich folgendes zugetragen hat:

Die Hundertschaft war "aufgesessen" und wartete auf das Erscheinen der Hundertschaftsführers und das Handzeichen gemäß Einsatzbefehl zum Befehl des Abmarsches und Einschalten der Funkgeräte (Funkstille war zuvor angesagt).

"Elise" erschien, gab kein Handzeichen, bestieg den Befehlskraftwagen, nahm die Sprechtaste des Funkgerätes und gab den Befehl:

" Hier Hundertschaftsführer an ALLE! Funkgeräte einschalten!"

Der Kraftfahrer verkniff sich das Lachen über weite Strecke. "Elise" wunderte sich lange Zeit über die Funkdisziplin und Ruhe. Erst beim ersten technischen Halt wurde die Ursache für die Funkstille offenkundig.

Diese Geschichte sorgte noch lange Zeit später für Lacher und der o.g. Befehl war zum Teil für manche Situation Synonym.

Teil 1

September 1977 in Lübeck, GSA A Küste 1.

Im Spätsommer, wie er im Buche steht! 6-Mann Stuben, nach 1,5 Monaten war die prinzipielle Kennlernphase vorbei.

Dennoch rumorte es in der einen oder anderen Stubengemeinschaft. So auch in der Nachbarstube im 2. Stock der Unterkunft.

Hatte vor einigen Tagen doch ein Mitbewohner und Hobbyangler nach Feierabend seine Angelrute in die Trave gehalten…und einen Aal „gewonnen“.

Diesen brachte er dann mit in die Unterkunft, hinterlegte diesen ohne weitere Kühlung im Wertfach seines Spindes!!!

Was er sich dabei dachte? Wahrscheinlich gar nichts. Dass er selbst der Stubengemeinschaft keine Beachtung schenkte, als diese über eine „Geruchsbelästigung“ klagte, grenzte schon an weitaus mehr, als blanke Ignoranz.

Dies konnte und durfte nicht ohne Folgen bleiben!

Teil 2

Der Spies unserer Hundertschaft war so eine richtige „Kampfkugel“. Mit 1,60m Größe knapp größer als Napoleon, runder Kopf mit wenig Haaren und kurzem Hals und einer Bauchrundung, die permanentem Nahkampf am Bierglas zum Ausdruck brachte.

Trotz Polizeireform zierten noch die silbernen „Spießstreifen“ seine Uniformärmel, das Spießbuch steckte in der Uniformbluse vor der Brust, wie einst Napoleons Hände.

Als 14-jähriger hatte er in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges aktiv am Kampf teilnehmen müssen. So zierte dann noch eine Ordensspange mit Panzernahkampfabzeichen und EK seine Brust.

Wie geschrieben, Nahkampf mit dem Bierglas fand häufig statt, zumeist im Hinterzimmer der Kantiniers.

Wer verlor? Das ist eine Frage der Betrachtung: Das Glas, weil es stets geleert und doch nachgefüllt wurde, oder unser Spieß, der sich stets füllte und immer voller wurde?

Teil 1 und 2 fügen sich zusammen

Nun, wie geschrieben waren es heiße Tage. Der Aal entwickelte schnell üble Gerüche und noch während der Mittagspause wurde Stubenkamerad „Angler“ aufgefordert den Aal zu entsorgen.

In eben dieser Mittagspause begann in der Kantine des Spießes Biernahkampf und zog sich bis kurz nach 16.00 Uhr hin.

Man munkelte, dass dieser alkoholische Kreuzzug mit erfolgreicher Vernichtung so mancher Hopfenkaltschale endete.

Währenddessen begab sich Kamerad „Angler“ nach Dienstschluss auf Ausgang in die Stadt.

Dies jedoch, ohne seinen stinkenden Aal entsorgt zu haben und der Stubengemeinschaft schon vom Geruch her eine Fischvergiftung drohte.

So nahmen denn die 5 Mitbewohner den Holzspind von Kamerad „Angler“, wuchteten diesen zum Fenster (wohlbemerkt im 2. Stock!), hieften diesen mit seinem gesamten Inhalt an Ausrüstung (ohne G1 – das lag beim Waffenwart) über die Fensterbank.

Just im Moment als der Spind auf der Fensterbank kippelte kurvte der Spieß aus Richtung Kantine in leichten Schlangenlinien in Richtung Unterkunft.

War es ein leichtes Rauschen des nunmehr herabfallenden Spindes oder kriegserfahrene Eingebung, die den Spieß „volle Deckung“ schreien ließ? Egal, der Spind schlug wie eine Granate ca. 3m vor dem Spieß entfernt auf, platze auch wie eine solche. Diese runde Kugel von Kopf auf dem Hals vom Spieß entwickelte sich in Sekundenschnelle zu einer überreifen, tiefroten Tomate.

Mitten im heißen Herbst der RAF bekam unter diesen Ereignissen die gebrüllten Worte „Bomben, Granaten, Anschlag, Sauhunde….uvm.“ ihre ureigene Bedeutung mit politisch gegenwärtigem Bezug.

Es kam zu keinem persönlichen Schaden! Die Stubengemeinschaft kam für den Sachschaden auf. Ihr Handeln zog nach Klärung des Umstandes ansonsten keine Konsequenzen nach sich. Leichtes Schmunzeln vermochte sich selbst der Spieß nicht verkneifen.

Kamerad „Angler“ wurde vom GvD (Gruppenführer vom Dienst) instruiert, sich am nächsten Morgen im großen Dienstanzug unter Stahlhelm eine Vergatterung abzuholen.

Ob ihm dabei der stinkende Aal „quergezogen“ wurde, weiß man nicht. Er soll sich zumindest so vorgekommen sein.

Allgemeines

Im Grenzschutzkommando Küste gab es einen Offizier, der dem Sinnspruch „Da ist der Wurm drin!“ zu reichlicher Bestätigung des Sinngehaltes beitrug, als ihm sicher wohl selbst lieb war.

Ich selbst konnte – nein musste – ihn kennen lernen. Meine persönlichen Berührungspunkte hielten sich zum Glück für mich in Grenzen.

Ob die hier geschilderten Begebenheiten in vollem Umfang den Tatsachen entsprechen oder nur im Kern getroffen sind, sei dahin gestellt.

Ich gebe sie so wieder, wie sie mir aus der Truppe heraus zugetragen wurden, bekannt waren und noch sind.

Es gab in unserer Truppe zu meiner Zeit eine Abkürzung für einen unliebsamen Zu- und Umstand. Bei grob fahrlässigen Handeln war der Betroffene zur Schadenshaftpflicht heranzuziehen. Die Abkürzung „ibbzz“ stand folglich für „ich bin bereit zu zahlen“.

Der Anfang

Als Offizier vom Dienst verließ dieser im Dienst die Kaserne, um sich mit seiner Liebsten vor der Unterkunft zu treffen. Dieser Umstand des Wachvergehens wurde bekannt und erhielt eine gewisse pikante Note, da es sich bei der „Liebsten“ und zukünftigen Frau um die Tochter der Kommandeurs gehandelt haben soll.

Das Unglück

Als Zugführer eines Ausbildungszuges stand als praktischer Lehrinhalt die Verwendung von Signalmunition auf dem Lehrplan. Abmarsch in das Übungsgelände!

„Hier haben wir einen „Einstern-Rot“. Immer auf die Abschusshaltung und besonders wichtig(!!!) die Windrichtung achten. Ich demonstriere!“

Auf dem Übungsgelände befand sich ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude, welches unter Verwaltungshoheit der Bundeswehr lag und auch als Materiallager diente.

Seinen eigenen Worten keine Beachtung schenkend folgte der Abschuss und so segelte der rote Stern an dem Fallschirm auf das Lagergebäude, verursachte einen Brand mit erheblichen oder gar Totalschaden.

Dummheit schützt vor Folgen nicht

Als Kommandant eines SW erteilte der Offizier dem Fahrer den Befehl, im Gelände einen bestimmten Weg einzuschlagen. Den Hinweis des Fahrers, da es dort sumpfig sei und er dem Befehl wegen der Gefährdung des gepanzerten Fahrzeuges keine Folge leisten zu wollen, entsprang ein hitziges Wortgefecht.

Der SW-Kommandant konnte seine Anweisung durchsetzen. Der Fahrer sich in seinem Merkbuch aber den Hinweis der Weigerung und deren Gründe gegen Unterschrift des Kommandanten bestätigen lassen. Stand doch immerhin „Befehlsverweigerung“ im Raum.

Nun, es kam wie es kommen musste. Der SW blieb stecken. Bei der Bergung wäre beinahe noch ein hinzugerufener Berge-Leopard der Bundeswehr versunken. Bordmittel und Funkgerät konnten noch geborgen werden, bevor der SW gänzlich aufgegeben worden sein soll.

Entschlossenes Handeln, wie es nicht sein soll

Man munkelte in der BGS-Truppe über den Offizier, dass dies im BGS wohl der einzige Hauptmann/Hauptkommissar mit einem Wachtmeistergehalt war. Gewisse Regelbeförderung sollen trotz seines Verhaltens den Grund gehabt haben, damit die Abzahlungen überhaupt möglich sind.

IBBZZ lässt grüßen!

Ob es gestimmt hat?

Aber auch folgende Geschichte wurde so wiederkehrend erzählt. Es fand eine größere Übung statt, an der „unser“ Offizier auch als Zugführer eines SW-Zuges eines solchen teilnahm.

Es bestand der Befehl, mit dem SW-Zug von A nach B zu verlegen. Dazu war die Autobahn XY als Marschstrecke und eine bestimmte Abfahrt zu nutzen.

Was zum „Verpennen“ der zu nutzenden Abfahrt führte….keine Ahnung. Die Abfahrt wurde verpasst!

Also ließ der Zugführer den SW-Zug auf dem Standstreifen halten, die eine Fahrtrichtung voll- oder teilsperren und baute mit Bordmitteln – welch nette Übungseinlage! – die Mittelleitplanken aus.

Den SW-Zug ließ er dann auf der BAB wenden und vollführte Gleiches auf der Gegenfahrbahn, währen die Leitplanken wieder verbaut wurden.

Kleinigkeit

Eine Kleinigkeit dagegen war sein Verhalten während des Bremerhaven-Einsatzes 1983.

Anfang der 80er-Jahre wurden in Bremerhaven zum Teil heftig gegen die Stationierung von Atomraketen in Deutschland demonstriert. Auch hier war der BGS eingesetzt.

Im Gegensatz zu den Vorjahren liefen die Demonstrationen 1983 relativ „friedlich“. Im Lagezentrum wurden die Videoaufzeichnungen, u.a. vom Beschuss der BGS-Hubschrauber mit Signalmunition, angesehen und ausgewertet.

Als Offizier des Lagedienstes und stellv. Kdr. missfiel unserem „Mann für’s Grobe“ zur Nachtzeit dieses Tun.

Die Videorekorder der damaligen Zeit „warfen“ die Kassetten noch nach oben aus. Also – mit einer unergründbaren Stinkwut betätigte „Er“ den Kassettenauswurf und entnahm nicht nur einfach diese Kassette, sondern riss das ganze Auswurffach heraus.

Das letzte, was ich von ihm hörte

Ich war schon lange bei der Länderpolizei und „Er“ schon bei der Bundespolizei. Ein Atomtransport sollte aus Richtung Schleswig-Holstein per Eisenbahn über Lüneburg gen Süden erfolgen.

In Lüneburg fand eine Blockade statt. Der Einsatzleiter der Bundespolizei – „ER!“ – entschied vor Räumung der Gleise in Lüneburg die Umleitung des Zuges um Lüneburg herum. Dies aber ohne weitere Absprache. Ein Offizier „alter Art“ braucht das nicht, er denkt und handelt (zum Glück hier ohne Folgen) über das Maß der Dinge und bestimmter Führungsgrundsätze hinaus.

Wir mir bekannt, ist „er“ nunmehr schon länger verstorben. Was er wohl im Himmlischen (ob in der guten oder bösen Welt) alles auf den Kopf stellt? Ich mag gar nicht daran denken!

Maskentage bei der GSA III/7

Sehr beliebt waren bei der GSA III/7 die durch den damaligen stellvertretenden Abteilungsführer Sacker angeordneten ABC-Tage. An einem von ihm bestimmten Tag im Monat mussten alle Polizeivollzugsbeamte der Abteilung während der Dienstzeit die ABC-Schutzmaske tragen. Es gab keine Ausnahme. Egal in welcher Funktion oder Tätigkeit sich der einzelne Beamte befand.

Im Innendienst auf den Geschäftszimmern, bei der Formalausbildung und beim Sport.

Nicht jeder Angehörige der Abteilung war vom Sinn dieser Aktion überzeugt. Hinzu kam, dass das Atmen unter der Maske anstrengend und unangenehm war. So versuchte man, diese Anordnung nach Möglichkeit legal zu umgehen. So wurden zum Beispiel Büros von innen abgeschlossen. Beamte hielten sich an vermeintlich sicheren orten auf oder nahmen, als letzte Möglichkeit, Dienstbefreiung für diesen Tag.

Die Durchsetzung dieser Maßnahme war PR Sacker ein persönliches Bedürfnis. So setzte er selbst seine Schutzmaske vorschriftsmäßig auf, bewaffnete sich mit einem Kugelschreiber und seinem berühmt, berüchtigten Buch und schritt zur Tat. Er tauchte überall dort auf, wo man ihn nicht vermutete. In den Werkstätten, Unterrichtssälen, in der Sporthalle und auf den Dienstzimmern der Sachbearbeiter und Hundertschaftsführer, die dann auf heftiges Klopfen von ihm die Tür öffneten.

Jeder, den er ohne Maske antraf, wurde gemaßregelt, in seinem Buch notiert und zur Stellungnahme aufgefordert.

An einem sehr warmen Sommertag ertappte er einen Polizeikommissar, dessen Name hier nicht erwähnt werden soll, nach einer Sportausbildung, nur mit einem Handtuch bekleidet -natürlich ohne Maske- vor dem Duschraum. Das war zu viel! Der junge Kommissar musste einen gewaltigen Wortschwall über sich ergehen lassen.

Wer jemals eine solche Maske getragen hat weiß, wie schwierig es ist, jemanden zu verstehen, der durch diese Maske spricht. So war im Gesicht des Betroffenen nur ungläubiges Staunen zu erkennen. Er nahm eine Haltung an, die der Grundstellung nahe kam.

immer noch war das gedämpfte Gebrüll durch die Maske zu hören und wollte kein Ende nehmen.

Infolge der Erregung und körperlichen Anstrengung wurde dem Vorgesetzten dann doch die Luft knapp. Mit einer ruckartigen Bewegung erfasste er die Maske am Filter, zog sie nach oben und setzte die Maske auf die Stirn. Zum Vorschein kam ein hochrotes Gesicht. Völlig außer Atem setzte PR Sacker seinen Monologfort. Nur einer wesentlich höheren Lautstärke.

Der Anblick des stellvertretenden Abteilungskommandeurs glich jetzt wohl einem Außerirdischen. Es entlockte dem jungen Kommissar ein verlegenes Grinsen.

Daraufhin drehte sich PR Sacker um, setzte seine Maske wieder vorschriftsmäßig auf, murmelte vor sich hin und stapfte eilenden Schrittes davon.

Eine Stellungnahme brauchte der junge Kommissar nicht abgeben.